Sonntag, 29. Mai 2016

Lohnt sich's?

Als ich neulich mit meinem Sohn eine kleine Radltour machen wollte, hatte sein Rad einen Platten noch bevor wir richtig losgestartet waren. Das fängt ja schon gut an, dachten wir beide. Wir vereinbarten, dass ich im Café warte während er ein anderes Rad holt. OK, ich hab's mir mit einer köstlichen Limonade im Schatten eines gemütlichen Cafés am Ufer eines alten Kanals gemütlich gemacht.

Als er zurück kommt will ich zahlen, nehm' den 10€-Schein aus meinem Geldbeutel und lege ihn auf den Tisch, der Bedienung nickend. Und - hui - bevor ich es richitg erfasse, hat eine Windböe den Schein gepackt, diesen in die Luft gehoben... und ich sehe zu, wie er in der Luft segelt, langsam gleitend in's Wasser fällt. Da schwimmt er nun, wie ein kleines Schiffchen. So ein Mist!

Zum Glück ist das nicht mein €50-Schein gewesen, den ich da hingelegt habe... Naja, 10€ ist ärgerlich, aber es ist nicht sooo schlimm... Kann mal passieren... Meine Gedanken kreisen noch um das, was gerade passiert ist. Ich schreibe den Betrag ab. Ist ja wirklich nicht so viel...

Da sagt mein Sohn: "Den holen wir uns wieder! Das probier' ich." Der Geldschein schwimmt weiter ganz ruhig auf der Oberfläche, leichte Strömung und ein bisschen Wind treiben ihn voran - Richtung Kanalrand. Und weiter unten sind Stufen, die zum Wasser führen. Stimmt, die hatte ich nicht bemerkt. Das sieht gut aus.
Gesagt, getan: Schuhe ausgezogen, ins kalte Wasser hinabgestiegen, Arm ausgestreckt... und schon ist der Schein wieder unser. War gar nicht kompliziert.

Mich beschäftigt es noch ein Weilchen, was eigentlich entscheidet, ob wir aufgeben, oder für eine Sache gehen? War es der Betrag, der es für mich nicht so lohnend machte, mich einzusetzen? Also, dass Einsatz und Gewinn in ungünstigem Verhältnis zueinander standen. Oder schien mir die Hürde unüberwindbar? Schließlich war ich mitten in der Stadt, der Landwehrkanal in Berlin nicht gerade als Badewasser geeignet. Oder hat mich meine Komfortzone zu gemächlich sein lassen? Im Schatten zu sitzen war ja gerade wirklich sehr gemütlich gewesen, ein Fußbad im dreckigen Wasser gehörte nicht zum Plan.

Mich hat gewundert, wie schnell ich mich in Gedanken bereits mit dem Verlust abgefunden hatte, ohne einen kurzen Moment zu überlegen, ob es eine Lösung für das "Problem" gibt. Geben wir nicht vielleicht in Gedanken oft viel zu schnell auf? Keinen Versuch zu starten bewahrt mich vor dem Gefühl des Scheiterns, denn so war ich in gewisser Weise "Opfer des unglücklichen Moments", des unerwarteten Windstoßes; und es verhindert eventuell auch größere Enttäuschung, denn ich habe ja keine größeren Gefühle hinein gesteckt. 

Aber nicht nur hat das Eis danach natürlich viel besser geschmeckt, klar. Es war auch ein nettes kleines Abenteuer, das wir da erlebt haben. Und wir haben Spaß gehabt. Probieren lohnt sich.

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