Freitag, 25. Dezember 2015

Wie das mit der Liebe so ist...

Von überall tönt es: Weihnachten, das Fest der Liebe. Wie oft sieht man statt dessen: Eile, Stress, Pflichtbesuche, Verlegenheitsgeschenke. Die wenigsten, die mir etwas über ihr Weihnachten erzählen, freuen sich auf das Fest, die Zusammenkünfte mit seinen Ritualen. Ist denn Weihnachten total umsonst? Ist alles drum herum eine Verschwendung, hohl und überholt?

Ich liebe Weihnachten mit seinem Glanz inmitten der dunkelsten Tage (außer in diesem Jahr, in dem es bei dem Sonnenschein eher Frühling zu sein scheint ;-)), dem fröhlichen Beisammensein, den langen gemeinsamen Essen und den kleinen und großen Geschenken.

Ja, die Geschenke! Ausgehöhlte Geste, Pflichterfüllung, Überfluss? Vielleicht bedeutet ein Geschenk genau das für den einen oder die andere. Doch kann ein Geschenk viel mehr sein: Geste der Zuneigung, Zuwendung, Anerkennung - eine Geste der Liebe. Nehmen wir es sooft nicht ernst, weil der/die andere sowieso alles hat? Weil wir gar nicht mehr wissen, was wir verschenken sollen? Oder fällt es uns schwer, weil wir genau hier anfangen müssten zu empfinden: was bedeutet mir diese Person, was möchte ich ihr gerne geben? (Puh, wie anstrengend!) Was könnte ihr gefallen? Was könnte ihr Freude machen (Oje, wie kompliziert!) Welche Geschenke kommen denn von Herzen?
Und wie ist es eigentlich, wenn wir selber Geschenke erhalten? Erkennen wir die Geste dahinter? Können wir diese schätzen? Oder fühlen wir uns nun verpflichtet, beschämt, in der Schuld?

Von Kindheit an lernen wir, uns auf Fehler zu konzentrieren, Lob gibt es selten, eher nie. Und so ziehen wir ins Leben, bedacht Fehler abzuwehren und hungernd nach wahrer Anerkennung und Bestätigung unserer Person. Wie oft ist dahinter unser Selbstwertgefühl verletzt, wie oft der Mangel an emotionaler Wärme scheinbar zugeschüttet und doch allzu präsent.
Und seltsamerweise nimmt es dann oft einen geradezu tragischen Verlauf: wir verpassen die Gelegenheiten, die es uns ermöglichen könnten, Anerkennung, Zuneigung, Bestätigung, Liebe zu bekommen, weil wir sie nicht erkennen; vielleicht noch schlimmer, wir bagatellisieren diese oftmals oder deuten diese in ausschließlich negativer Sicht.

Dann sehen wir im Kompliment eine Höflichkeitsfloskel, das Interesse an uns oder unserer Betätigung wird abwartend und misstrauisch beäugt, denn vielleicht will die Person ja nur etwas von uns, Nettigkeiten sind leere Worte, reines Lippenbekenntnis.
Wir selbst tragen auch noch tüchtig dazu bei, alles was wir uns positiv zuschreiben könnten, kaputt zu machen: wir schmälern in einem Akt überinterpretierter und geflissentlicher Bescheidenheit all unsere eigenen gelungenen Taten und Erfolge ("Das war nichts besonderes, da hab ich einfach Glück gehabt", "Ach, der Braten ist heute aber nicht so gut geworden", ...), reden in einer Tour fort schlecht über uns ("Da bin ich zu doof für", "Ich habe einfach zwei linke Hände!", ...) und kennen unsere eigenen Stärken und Talente nicht, geschweige denn, wir würden diese anerkennen, wenn wir diese erkennen würden. Wo kämen wir denn hin, wenn wir anfingen stolz und zufrieden mit uns zu sein? Arrogant ist ja noch schlimmer als von Selbstzweifeln geplagt zu sein. Und so scheint es fast zwangsläufig, dass wir jede Gelegenheit weit von uns halten, einen Keim des Positiven in uns zu sehen und wachsen zu lassen.

Liebe und Selbstwertgefühl fangen mit Selbstakzeptanz und Selbstanerkennung an. Als Erwachsene/r muss ich mir diese selber geben, da gibt es weder Eltern mehr, die dies tun ("Wenn mich mein Vater doch endlich so akzeptieren würde, wie ich bin, dann..."), noch Vorgesetzte, die dies wahrhaftig tun (90% der Angestellten wünschen sich mehr Anerkennung). Und klar: ich spreche natürlich hier nicht von Fehlinterpretation und Selbstüberschätzung, sondern sich selbst nicht ausschließlich Kritik zu zollen, sondern auch Lob.

Und vielleicht klingt es pathetisch und ist ein irrealistischer Traum, aber wir könnten doch auch anfangen, im liebevollen Blick eines geliebten Menschen uns selbst anzuerkennen (schließlich kann der/die doch nicht vollkommen bekloppt sein, oder?), eine nette Geste auch mal ganz persönlich zu interpretieren (und nicht nur Kritik persönlich zu nehmen), das was andere in uns zu sehen scheinen, auch anzuerkennen und nicht respektlos abzutun.
Und das Beste, das in uns steckt zu leben - weil wir es uns selber schuldig sind, und weil alle davon profitieren. So könnten wir uns selber zu Weihnachten mit einem schönen Geschenk überraschen!
Ein schönes Fest und alles Liebe für Sie,
Ihre Ann Krombholz

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