Sonntag, 16. Juni 2013

Selbstmarketing - wozu denn das?

Nicht untergehen - Besser: sich zeigen!
Foto: absolventa.de
Im Rahmen eines Lehrauftrags an der Hochschule für Angewandte Sprachen halte ich die Vorlesung "Selbstmarketing". Anfangs kam auch von Seiten der Studierenden die Frage: Was ist denn das? Und wozu braucht man sowas? Doch zwischenzeitlich hat sich offensichtlich der Nutzen herumgesprochen, die neue Gruppe (35 Studierende) war trotz schönstem Wetter aktiv dabei. Aber tatsächlich: wozu denn sowas?

Ziel des Selbstmarketing ist es, das eigene Profil zu schärfen und dieses dann so zu präsentieren, dass der Wert erkannt wird. In der Marketing-Sprache heißt das dann, die Wiedererkennung zu steigern und sie zu einer Marke zu machen. Und der/die Nutzende den Wert darin erkennt.
Es geht darum, dass man selber weiß, wo die eigenen Stärken liegen und diese kommuniziert, die eigene Leistung entsprechend gesehen wird und man als kompetenter und engagierter Ansprechpartner wahrgenommen wird. Nebeneffekt - aber auch durchaus mögliches Ziel - ist es, erfolgreicher zu sein, interessantere Aufgaben zu bekommen und die eigene Laufbahn aktiv zu gestalten - den Berufsweg nicht dem Zufall zu überlassen.

Wie beim Marketing auch, so geht es zunächst darum, das "Produkt", in diesem Fall ja die eigene Person, zunächst zu analysieren: Sich zu kennen, die eigenen Stärken und Schwächen, Vorlieben, das Selbstbild im Verhältnis zum Wunschbild, die Lebensmotive. Und darum zu erkennen: Was brauche ich? Was möchte ich? Wo bin ich gut? Wo habe ich Alleinstellungsmerkmale, die mich von anderen Mitarbeitenden bzw. Bewerberinnen und Bewerbern abhebt?
Mit vielen Übungen klären die Studierenden ihr Profil, in Gruppen- oder in Einzelarbeit.

Wir betrachten aber auch die Arbeitsumgebung. Denn nur im passenden Umfeld ist unser "Produkt" gut aufgehoben, kann sich entfalten und das Beste aus sich machen: Was sind Unternehmenskulturen, was beeinflusst diese? Denn die Unternehmenskultur ist mitunter die Matrix für richtig und falsch. Eine Sensibilität hierfür zu entwickeln ist entscheidend, um einen guten Start im Beruf zu finden.

Dann gehen wir über zu Möglichkeiten der Selbstpräsentation, das sind soziale Netzwerke (LinkedIn, Xing, Facebook) ebenso wie Visitenkarte, das Schreiben von Beiträgen im Internet, die Teilnahme an Kongressen, das Halten von Vorträgen, eine eigene Webseite oder die Kurzpräsentation z.B. in Form eines Elevator Pitch. Auf jeden Fall haben die Studierenden ab jetzt auf die Frage "Und was machst du?" eine gute Antwort parat.

Dann wird es aber ganz berufspraktisch: Wir betrachten verbale und nonverbale Regeln bei Besprechungen, mikropolitische Aktionen und ihren Stellenwert. Wir diskutieren über Authentizität und Berufsrollen - und deren "Beigeschmack".

Dazwischen schauen wir uns Filmausschnitte an: Wie erleben wir Menschen? Durch welche Handlungen, Accessoires und Situationen werden sie charakterisiert (man könnte auch sagen: positioniert)?

Als wunderbarer Film hat sich "Der Teufel trägt Prada" da entpuppt: Die Protagonistin und Jungjournalistin Andy fängt als Assistentin bei einem hippen Modejournal an. Das war nicht ihr Ziel: vielmehr bleibt ihr - so meint sie - nichts anderes übrig, denn sie hat keine Stelle bei einer Zeitung bekommen.
Zunächst versteht sie die Welt nicht mehr, macht vieles falsch, aber schließlich erkennt sie die Regeln, spielt gekonnt auf der geforderten Klaviatur. Am Ende steigt sie aus, um viele Erfahrungen reicher. Ihr Ziel hatte sie immer vor Augen und jetzt ist sie dem Traumjob nahe.
Nach ihrer Kündigung steigt sie nun als Journalistin bei einer Tageszeitung ein: sie ist da angekommen, wo sie hin wollte.


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