Sonntag, 26. Mai 2013

Zwischen Macht und Ohnmacht

Vergangene Woche schrieb ich darüber, wie wir unsere Wirklichkeit, so wie wir sie wahrnehmen, beeinflussen können. Und doch gibt es Situationen und Momente, die wir nicht verändern können - und es uns auch nicht gelingt, eine andere Haltung demgegenüber zu entwickeln.

Edvard Munch: Vampir bzw. Liebe und Tod (1893)
Bei allem Veränderungswillen und Gestaltungspotenzial, das wir zweifelsohne haben, dürfen wir nicht verkennen, dass manche Dinge "größer" sind als wir und uns in Verzweiflung oder Hilflosigkeit stürzen können.
Dafür schätze ich sehr die Worte des weltberühmten Gebetes:
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Erkennen wir es nicht an, dass wir nicht immer mit etwas klar kommen können, überschätzen wir unsere Macht, unseren Einflussbereich. Das kann soweit gehen, dass wir krank werden. Denn die Realität - auch durchaus das, was wir fühlen und für unsere eigene innere Realität erleben - müssen wir anerkennen und damit umgehen, ob wir wollen oder nicht. Ansonsten überschätzen wir uns, das macht uns weltfremd, gnadenlos uns und anderen gegenüber.

Gerade die Natur macht uns dies - so finde ich - immer wieder sicht- und erlebbar; ein Gefühl von Demut dem Großen, Schrecklichem, aber auch Schönem gegenüber, empfinde ich dabei als befreiend: wir sind nicht für alles verantwortlich und können dies auch nicht sein.
(Gerade in Brasilien mit seinen Extremen musste ich als Kind schon zusehen, wie Regenfälle innerhalb kürzester Zeit die Landschaft komplett veränderten, Ameisen innerhalb einer Nacht ganze Bäume kahl fraßen und der Mensch der Kraft von Krankheit und Tieren immer wieder ausgeliefert war.)

So ist es manchmal auch angesagt, die Dinge beim Namen zu nennen, dem Unerträglichen ins Auge zu sehen und anzuerkennen, dass wir AUCH schwach und ohn-mächtig sind.

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